33. Isny Opernfestival – 2021

Aktuelle Informationen :

Freitag 20.08 & Samstag 21.08.2021 | 19:30 Uhr | Aufführung der Oper Šarlatán im Schlosshof Isny.

 

 

 

Programm des Isny Opernfestivals :


Pavel Haas’ »Šarlatán«

Oper im Sommer 2021 

In der letzten Juniwoche 2021 wird das Isny Opernfestival im Innenhof des Schlosses Isny die Oper Šarlatán (Der Scharlatan) von PavelHaas inszenieren. Es ist die Geschichte eines Quacksalbers namens Pustrpalk und seiner Liebe zur schönen Amaranta. Das Sujet ist Josef Wincklers Roman „Der Wunder-Doktor Johann Andreas Eisenbarth“ entnommen.

Die Inszenierung des „Šarlatán“ beim Isny Opernfestival ist Teil des bundesweiten Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und wird in dessen Rahmen gefördert.( mehr Informationen )

Die Oper

Die Oper wurde am 2. April 1938 im Alten Theater am Wall in Brünn mit großem Erfolg uraufgeführt. Nach der Besetzung des Sudetenlandes 1938
wurde „Šarlatán“ vom Spielplan abgesetzt. Wir möchten mit diesem tragikomischen Werk, in dem es von phantasievollen Charakteren und lebendiger Handlung nur so wuselt, den Komponisten Pavel Haas und seine Musik nahe bringen: als Ausdruck einer Symbiose von tschechischen, jüdischen und deutschen Wurzeln.

Der Komponist

Pavel Haas ist bedeutendster Schüler Janáčeks. Sein Stil istpolytonal und polyrhythmisch und geprägt und zeichnet sich durch starke Expressivität und musikantische Vitalität aus. Der Einfluss von Volksliedern allgegenwärtig. Pavel Haas´ Wirken in Theresienstadt und seine grausame Ermordung in Auschwitz bewirken tiefes emotionales Berührtsein bei jedem, der mit
seiner Geschichte und mit seiner Musik in Berührung kommt: Am 2. Dezember 1941 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach
Überwindung anfänglicher Depressionen fügte er sich in dasreichhaltige Musikleben des Lagers ein. Von den mindestens acht Kompositionen aus
dieser Zeit sind nur drei erhalten.
Nachdem die Nazis kulturelle Aktivitäten in Theresienstadt zuerst nur geduldet hatten, gingen sie Anfang 1942 dazu über, Künstler vom
allgemeinen Arbeitsdienst zu befreien. Sie sollten ihrer Berufung und dem Lager zu kulturellem Glanz verhelfen. Dahinter steckte die Absicht, Theresienstadt zum Vorzeigeghetto zu machen, um es propagandistisch als „Gegenbeweis“ gegen Gerüchte vom Massenmord an den Juden zu benutzen. Am 23. Juni 1944 wurde das Lager vom Internationalen Roten Kreuz besichtigt. Dabei wurde Haas’ „Studie für Streichorchester“uraufgeführt. Im Film „Theresienstadt“ ist auch Pavel Haas kurz zu sehen. Nach diesen Propagandaaktionen wurden er und viele Künstler am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er kurz darauf ermordet wurde.

Gefördert durch:

 

 

Festivalkonzert 2021

Auf dem Programm stehen:

– Beethovens Violinkonzert mit dem virtuosen Solisten Adrián Ibáñez-Resjan
(Sibelius-Akademie Helsinki) , der 2020 im Schlosshof Isny Kurz Weills
Violinkonzert gespielt hat.

– Mendelssohns vierte Symphonie „Die Italienische“

– Hoheliedkantate „Flame of the Lord“ des amerikanischen
Komponisten Simon Sargon.

Für das Festivalkonzert gibt es keinen Kartenvorverkauf daher nur Abendkasse.

 

Gefördert durch:

 

 

 

 

»Blühende Bäume« am Osthang - Kreatives Musiktheater in Isny im Frühjahr 2021»Blühende Bäume am Osthang«

Kreatives Musiktheater in Isny im Frühjahr 2021

Das Impulsprogramm »Kunst trotz Abstand« des Ministeriums für Kunst Baden-Württemberg ermöglicht kreative Projekte zur Corona-Zeit. Es bietet Hans-Christian Hauser die Gelegenheit, ein neues Musiktheaterwerk zu komponieren und zu inszenieren. 11 Gedichten von Sepp Mahler und 26 historischen chinesischen Gedichten sind darin vertont. Die Musiktheatercollage trägt den Namen »Blühende Bäume am Osthang«.

Sechs talentierte Schüler des Improtheaters des Salvatorkollegs Bad Wurzach erhalten die Chance, aus den facettenreichen chinesischen Gedichten, der Poesie Sepp Mahlers und der farbenreichen Musik Hans-Christian Hausers mit Schwung und beweglicher Ausdruckskraft vierzig kleine pantomimische Szenen zu erschaffen. Zehn Instrumentalisten aus dem Ensemble der Isny-Oper bringen die fein strukturierte Partitur zum Klingen. Elsa Kodeda, Serguei Afonin und Kyle Fearon-Wilson singen die 11 Orchesterlieder, die Hans-Christian Hauser aus den Mahler-Gedichten komponierte; und sie rezitieren in gesprochenem Wort die 26 chinesischen Dichtungen, aus denen er instrumentale Programmmusik-Miniaturen geschaffen hat. All diese Elemente sind zu einer Collage arrangiert. Zartes, asiatisch anmutendes Bühnen- und Kostümbild beflügeln die Fantasie.

Sepp Mahler

dessen Gedichte inszeniert werden, wurde 1901 auf dem Siechenberg geboren, einem außerhalb Bad Wurzachs gelegenen, sanft ansteigenden Hügel. Auf dessen Anhöhe findet sich das bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende Siechen- oder Leprosenhaus, Mahlers Geburtshaus. Das Siechenhaus beherbergte die Torfarbeiter des Wurzacher Rieds, zu denen auch Sepp Mahlers Eltern gehörten. Für Sepp Mahler waren diese frühen Eindrücke einer Welt der Armut ebenso bestimmend wie diejenigen, die das Moor in ihm hinterlassen hat: ein geheimnisvoller, von Nebeln verhangener oder der Sonne zum Leuchten gebrachter, von Unholden und Geistern bevölkerter, von Sagen und Legenden umwobener Naturkosmos. Das literarisches Werk dieses berühmten obrschwäbischen Malers steht an Eigenwilligkeit der seines malerischen Oeuvres kaum nach. Die Gedichte, welche Großstadt, Elend, Moral und Armenmilieu thematisieren, zeigen eine starke und gefühlsbetonte Solidarität mit den Armen und Rechtlosen. In den Naturgedichten spürt er den Wörtern laut- und wortmalerisch nach, intensiviert sie, lädt ihre Sinnlichkeit auf und erschafft verspielte Miniaturen.

Chinesische Poesie

Die chinesische Poesie, die Hans-Christian Hauser zu den Mahler-Gedichten in Kontrast stellt, umfasst Dichtungen aus dem »Buches der Lieder«, das bis ins 9. vorchristliche Jahrhundert zurückgeht, und reicht bis in die Zeit der lyrischen Hochblüte Chinas unter der T´ang-Dynastie im 10. nachchristliche Jahrhundert.
Die volksliedhaften und balladenartigen Gedichte der Chou- und Han-Zeit zeichnen sich durch den Zauber der Frühe aus. Bei den späteren Gedichten macht sich die starke Traditionsgebundenheit der chinesischen Dichtung bemerkbar.
Die Gedichte von Po Chü-i, der seinen ganzen Lebensablauf mit Versen begleitet hat, sind ein charakteristisches Beispiel für die echt chinesische Vereinigung des Literaten und Beamten in einer Person . Die für seine Zeit und Stellung revolutionäre soziale Aufgeschlossenheit wie seine reizende Selbstironie machen Po Chü-i ungemein liebenswert.
Im Chinesischen sind die einzelnen Worte trotz Betonungsunterschieden vieldeutig. Das Subjekt fehlt häufig, wodurch das Ineinanderfließen verschiedener Subjekte möglich wird. Die Verben haben weder Gegenwarts- noch Vergangenheitsformen. Dadurch bildet sich ein faszinierender Schwebezustand..

Der Komponist

Hans-Christian Hauser hat bereits sechs Musiktheatercollagen für Sänger und Instrumentalensemble komponiert, die in München und Stuttgart bzw. in Peking mit großem Erfolg aufgeführt wurden: »DER KÖNIG VON CHU SCHLÄGT DIE TROMMEL« (Cafa Kunstmuseum Peking 2011) mit lustigen historischen chinesischen Kurzgeschichten,
»NOUS SAUTERONS JUSQU´A LA LUNE« – «WIR WERDEN BIS ZUM MOND SPRINGEN«, musikalisch-szenische Collage über Bella und Marc Chagall (im Rahmen der jüdischen Kulturtage München 2009),
»PLÖTZLICHES HERZ«, Szenen zu Gedichten des israelischen Dichters Dan Pagis (zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 2011) ,
»DER SCHLAG ANS HOFTOR«, Szenen zu 17 kurzen Erzählungen Franz Kafkas (Februar 2013, auch im Wilhelma-Theater Stuttgart).
2016 KAIN UND ABEL, über Vorkommnisse in der Psychiatrischen Klinik Kaufbeuren zur NS-Zeit (auch im Wilhelma-Theater)
2017 DIE HIMMELSLEITER, szenisches Oratorium zum Reformationsjubiläum mit Bibeltexten und Kafkaepisoden (Nikolaikirche Isny und Wilhelma-Theater).

Gefördert durch: