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»Das Kind und die Zauberdinge« (L´enfant et les sortilèges)
Oper von Maurice Ravel (1875-1937)
Ort der Handlung: Zimmer und Garten eines Landhauses in der Normandie
Libretto: »Divertissement pour ma fille« von Sidonie-Gabrielle Claudine Colette

Präsentiert von der Volksbank Allgäu-Oberschwaben eG

Mittwoch, 09.05.2018 19:00 Uhr, Donnerstag 10.05.2018 19:00 Uhr
Kurhaus Isny, Dauer: cirka 50 Minuten, freie Platzwahl

Vorverkauf: Isny Marketing Büro für Tourismus, Tel.: +49 (0)7562 97563-0
IGEL-Buchhandlung Isny: Tel.: +49 (0)7562 8601

 

Besetzung:

Das Kind: Elsa Kodeda (Sopran) singt, Johanna Westhäußer spielt
Die Mutter: Samira Misimovoc (Alt)
Der Sessel: Serguei Afonin (Bariton)
Die Porzellanfigur: Felicitas Weiß (Sopran)
Die Standuhr: Andreas Truong (Bariton)
Die Teekanne: Felicitas Weiß (Sopran)
Die chinesische Tasse: Samira Misimovoc (Alt)
Das Feuer: Nora Paunescu (Koloratursopran)
Die Hirtin: Jaewon Yun (Sopran) singt, Elsa Kodeda spielt
Erster Hirte: Pierre Herrmann (Tenor)
Zweiter Hirte: Mathieu Lanniel (Bariton)

Die Prinzessin: Jaewon Yun (Sopran)
Der kleine alte Mann: Pierre Herrmann (Tenor)

Der Kater: Mathieu Lanniel (Bariton)
Die Katze: Samira Misimovoc (Alt)
Der Baum (Männerstimmen): Mathieu Lanniel, Andreas Truong, Serguei Afonin, Pierre Herrmann
Die Libelle: Jaewon Yun (Sopran)
Die Nachtigall: Nora Paunescu (Koloratursopran)
Die Fledermaus: Pierre Herrmann (Tenor)
Das Eichhörnchen: Mathieu Lanniel (Bariton)
Der Baumfrosch: Felicitas Weiß (Sopran)

Schäflein, Ziffern aus dem Mathematikbuch, Frösche, Insekten, Eichhörnchen, Vögel und andere Tiere:
gesungen von allen Sängern, gespielt von Schülern der Grundschule Isny: Anna Teresa Frey, Charlotte Ursula Immler, Julia Michael, Elisabeth Uebe, Jetesa Lahaj, Laurenz Steybe, Leon Toni Bauer, Paula Lilith Butscher, Benjamin Eling, Lorenz Rufus Felle, Theresa Schwarz

Instrumentalensemble:
Christian Zahlten (Violine)
Sonnhild Rust (Violoncello)
Tobias Butorac (Schlagwerk)
Hans-Christian Hauser (Klavier)

Ausstattung, Bühnenbild und Requisiten: Johannes Müller
Beleuchtung: Leo Walravens
Assistenz: Fabienne Gobs, Ricarda Walravens

Künstlerische Leitung, Inszenierung und musikalische Leitung: Hans-Christian Hauser

Über die Phantasie in dieser Oper

Das Menschenkind ist von Natur aus wild und schlimm…
Jedoch ist das Menschenkind von Natur aus auch ein Dichter.
Seine Einbildungskraft verwandelt die Welt. Jedoch bleibt das Kind, wie alle wahren Dichter, tief im Realen verwurzelt. Es gibt den Gestalten seiner Einbildung nicht die Form von Ungeheuern. Nur größer als die natürlichen Modelle lässt es sie werden; auch verwandelt es die friedlichen in feindliche und die leblosen Gestalten in furchtbar lebendige Wesen.
Die Angst ist das nur zu alltägliche Klima der Kindheit.
Das Herz, das da schlägt! Die undurchdringliche Nacht! Und am Ende der Nacht die Morgendämmerung, der Tag mit seinen Bedrohungen: die Schule mit den anderen Kindern, die alle so schlimm sind, und der Lehrer, dieser Riese, mit seiner Rechtschreibung und seinen Rechenexempeln! Und am Monats- oder gar Wochenende das furchtbare Zeugnis!
Große Seelendramen spielen sich ständig in einem Sechsjährigen ab, immense Phantasiekräfte müssen in der täglichen Auseinandersetzung mit der Erwachsenenwelt mobilisiert werden, um die Bedrohung der Riesengegenstände durch imaginative Animation zu bannen.
In »L´enfant et les sortilèges«, seiner reichsten und doch klarsten Partitur, hat Maurice Ravel einen solches Traum-Erlebnis eines »bösen« Kindes in eine bürgerliche Nachmittagsidylle mit Schularbeitenstress, strenger Mama, schnurrender Katze, dabei höchst einfühlsam die fließenden Übergänge zwischen Realität, Phantasie und Traum realisiert – genauso, wie sie sich in der kindlichen Wahrnehmung vollziehen.
»L´enfant« sollte ursprünglich ein Ballett werden, doch beschloss Ravel, daraus eine kleine Oper, eine »fantaisie lyrique«, zu machen, »unterstützt von einem Stoff, den ich im Geist der amerikanischen Operette behandelt habe. Das Libretto von Madame Colette rechtfertigt diese Freiheit im Märchenreich.«
Er feilte fünf Jahre lang an der Komposition, die zum ersten und wohl bedeutendsten Exempel eines französischen Musicals geriet, der liebevollen und intelligenten Parodie der gerade aus der Neuen Welt nach Europa hinüberschwappenden Modetänze und Music-hall-Songs.
Vielleicht hat hier Ravel sogar vorausblickend ein musikalisches Drehbuch zu einem der genialen Phantasy-Trickfilme Walt Disneys geliefert. Wie sonst soll man sich die wundersame Animation von Lehnstühlen, Pendeluhren, Tapetenfiguren und die geradezu anthropomorphe Wiederbelebung zerbrochener Teekannen und Teetassen vorstellen?
Die grenzenlosen phantastischen Traumwelten, die Ravel sich in seiner Seele bewahrt hat, formt er zu einer Utopie, die auf die kreativen Energien des Menschen gerichtet ist, im Bild des spielenden, träumenden, liebenden Kindes.

Entstehungsgeschichte

Ursprünglich hatte Jacques Rouché, der Direktor der Pariser Oper, die Dichterin Colette um ein Libretto für ein Märchenballett gebeten, und als dieses 1916 fertiggestellt war, suchte man einige Zeit nach einem geeigneten Komponisten. Ravel erhielt das Libretto erst zwei Jahre danach. Er entschied sich aber erst ein weiteres Jahr später, es zu vertonen, freilich als Oper. Die ersten Entwürfe entstanden 1920. Infolge zahlreicher Unterbrechungen schloss Ravel die Partitur erst Ende 1924 ab.
Die Uraufführung fand am 21. März 1925 im Opernhaus von Monte Carlo statt, unter der Leitung des aufstrebenden italienischen Dirigenten Victor de Sabata. Publikum und Presse waren begeistert.
Die Pariser Erstaufführung 1926 wurde vom Publikum zwiespältig aufgenommen, während die Kritik sehr positiv reagierte. Colette berichtete, dass die Oper »zweimal wöchentlich vor vollem, aber unruhigem Haus gespielt wird. Die für die Moderne Begeisterten applaudieren und buhen die Anderen nieder. Und während des Katzenduetts herrscht immer ein fürchterlicher Tumult.«
In den folgenden Jahren wurde die Oper auch außerhalb Frankreichs (teilweise in Übersetzungen) herausgebracht, so in Brüssel (1926), Leipzig (1926), Wien (1929), San Francisco (1930), Florenz (1939), Buenos Aires (1964) und London (1965).

 

Wir danken für ihre Unterstützung insbesondere: der Volksbank Allgäu-Oberschwaben eG, der Dethleffs Family Stiftung, der Grundschule Isny (Herrn Rektor Halrald Strittmatter und Frau Meike Westhäußer) und Frau Ursula Westhäußer

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