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Giacomo Meyerbeer (1791-1864) »Die Hugenotten«

Plakat Festival 2017 - Giacomo Meyerbeer (1791-1864) »Die Hugenotten«Wir wählten 2017 eines der ganz wenigen Werke der Opernliteratur, das zum historisch vorgegebenen
Thema Reformation passt: »Die Hugenotten« ist natürlich kein geistliches Werk, sondern zeigt am Beispiel Frankreichs, wie sich die Konfessionsspaltung gesellschaftlich auswirkte, zu welchen unterschiedlichen Lebensentwürfen, Ränkespielen und brutalen Kriegshandlungen sie geführt hat.
Die Spaltung entfachte Fanatismus auf beiden Seiten, aber auch Friedensbemühungen durch politisch klug eingefädelte Heiratsarrangements.

Im Zentrum der Oper steht eine Romeo-und-Julia-Geschichte. Die Liebe zwischen dem stolzen Hugenotten Raoul und der schönen katholischen Adeligen Valentine führt die beiden unweigerlich in den Tod. Die charmant eingefädelte Friedensbemühung der Königin scheitert auf ganzer Linie.
Meyerbeers Oper ist, wie man salopp zu sagen pflegt, ein »Riesenschinken«.
Es galt, sie für unsere Verhältnisse auf ein überschaubares, handliches, ja zierliches und kurzweiliges Maß zusammenzustreichen und zu formen, was die Größe der Besetzung, die Ausstattung und die Dauer der Aufführung betrifft. Keine Massenszenen gibt es bei uns, sondern exemplarisch, am Beispiel von wenigen Betroffenen, wird das politische Gesamtgeschehen sichtbar und fühlbar.
Szenisch arbeiten wir mit wenigen Versatzstücken. Das Segelschiff steht für den idealischen Schwung der protestantischen Idee – und dieses Segelschiff wird auch die optische Brücke zum Oratorium »Die Himmelsleiter« bilden, das wir im Oktober in der Nikolaikirche Isny uraufführen.
Durchscheinende Gitter und Wandelemente, die mit Kacheln des ungefähr aus der angesprochenen historischen Zeit stammenden Winterthurer Kachelofens im Isnyer Rathaus bedruckt sind, dazu einfach stilisierte Requisiten, deuten das Ambiente der katholischen Adeligen an. Auf dem Balkon des Rathauses (im Rahmen der Freilichtaufführung) ist das Paradiesgärtlein der Königin zu sehen, das ein wenig an die mittelalterliche Tapisserie »Die Dame mit dem Einhorn« anklingen mag.
Die Hugenotten sind – entsprechend der verbreiteten Vorstellung über den optischen Stil der Konfessionen – karg und geistlich streng in Tönen von Schwarz, Weiß und Grau gekleidet, während sich die katholischen Adeligen herausgeputzt und sinnenfroh präsentieren. Schön und reich ist die Erscheinung der Dame Valentine; und für die Königin ist Schönheit und Liebreiz sinnliches
Ideal und politisches Programm zugleich.

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