skip to Main Content

Hans-Christian Hauser zur zur Inszenierung des »Vogelhändler«

Warum Operette?
Warum nicht? Hat doch gerade der »Vogelhändler« so viele schöne, gelungene Melodien – und die Musik ist so inspiriert und flexibel, kein Takt ist im Tempo wie der andere. Das macht wirklich Spaß!

Aber ist das Stück nicht doch ein wenig altbacken?
So wie wir es machen, bestimmt nicht! Die jungen Chinesen z.B. erleben dieses Werk ganz frisch, als sei es eben erst komponiert worden. Diesen Gefühlsausdruck der Chinesen fand ich so umwerfend, dass ich eigentlich deswegen auf dieses Stück kam. Und die bunte Mischung aus internationalen und regionalen Bühnendarstellern bringt viel Lebendigkeit.

Ist die deutsche Sprache für ausländische Sänger nicht sehr schwierig?
Doch, in der Tat. Und man sollte Aussprachefehler nicht so schwer nehmen, stattdessen sich an den Stimmen freuen.
Zudem nutzen wir den Inszenierungsgriff, die gesprochenen Dialoge durch Muttersprachler auf der Seitenbühne sprechen zu lassen, während die Sänger, die die Hauptrollen haben, das Geschehen der Szene optisch andeuten. Auch dieser Kunstgriff übrigens stilisiert ein Stück weit und befreit von der Schwere des Traditionellen.

Die Handlung ist doch ein bisschen naiv?!
Sicher, es ist kein Revolutionsstück. Aber es zeigt doch immerhin, dass Standesunterschiede nichts über guten oder schlechten Charakter aussagen. Adam und Christel, die ganz einfachen jungen Leute, sind die Sympathieträger, aber auch die Kurfürstin, die Mitgefühl und Stil hat. Auf jeden Fall ist diese Operette ein Loblied auf die Liebe – und auf ein gedeihliches und einfühlsames Miteinander.

Wie bringen Sie das in Kostümen und Bühne zum Ausdruck?
Für die Tiroler müssen schon alpenländische Trachten her – das ist ja witzig genug, zusammen mit den chinesischen Gesichtern. Die Städter heben sich davon in Pastelltönen ab.
Vom dicken Diebsturm an der Freilichtbühne in Isny leiten geschwungene Elemente schneckenhausartig zu einem filigranen Türmchen auf der Bühne über. Filigran und ein wenig niedlich, wie Operette eben ist; ein Schneckenhaus, verspielt wie die naive Liebe zwischen Adam und Christel.
Im zweiten Akt, im Schloss, wird’s dann symmetrisch drapiert: die Kurfürstin trägt zur ordentlichen gedeihlichen Lösungen der Verwicklungen bei.

Das Plakat?
Es zeigt, dass in Isny der Vogelhändler aus Tirol besonders feine Singvögel zu bieten hat…

Hans-Christian Hauser ist künsterischer und musikalischer Leier des Isny Opernfestivals.

Back To Top