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Leben und Werk in lateinischer Kantabilität und Grazie mit deutscher lnstrumentalität
Ermanno Wolf-Ferrari wurde am 12. Januar 1876 in Venedig geboren. Sein Vater war der bekannte Maler August Wolf, der von Franz Lenbach als Kopist nach Venedig beordert wurde. Dort lernte er die Venezianerin Emilia Ferrari kennen, die für ihn Modell saß. Ermanno Wolf-Ferrari war das dritte von sieben Kindern und der älteste von fünf Söhnen.

»Ich wollte nacheinander Maler, Musiker, Dichter, Schauspieler, Bildhauer werden, aber immer nur Künstler bleiben«, schrieb er später in seinen autobiografischen Aufzeichnungen. Mit sechs Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht, mit 12 Jahren spielte er bereits alle Beethoven-Sonaten. Im Alter von 13 Jahren besuchte er in Bayreuth Richard Wagners Tristan und lsolde, Parsifal und Die Meistersänger.

Wolf-Ferraris Ausbildung begann zunächst in der Maischule Accademia delle Belle Arti in Rom, anschließend ging er in eine private Maischule in München. Im Herbst 1892 wandte er sich endgültig der Musik zu und nahm Unterricht an der Akademie der Tonkunst in München. Nach der Abschlussprüfung 1895 verließ Wolf-Ferrari Deutschland und ging zunächst zurück nach Venedig und komponierte seine ungedruckt gebliebene Oper »Irene« sowie eine Reihe von Kammermusikwerken.

1897 übernahm er die musikalische Leitung einer deutschen Chorvereinigung in Mailand und erteilte daneben privaten Klavierunterricht. Im selben Jahr heiratete er die Sängerin Clara Kilian, mit der er einen Sohn, den nachmaligen Opernregisseur Federico Wolf-Ferrari, bekam.

Nach dem Misserfolg seiner zweiten Oper »La Cenerentola« im Jahr 1900 in Venedig wandte sich Wolf-Ferrari wieder nach München, wo im November 1903 seine heitere Oper »Die neugierigen Frauen« nach der Komödie von Carlo Goldoni mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Zwischen 1903 und 1909 lebte er wieder in Venedig. Dort erhielt er eine Stelle als Leiter des Liceo Musicale Benedetto Marcello auf Lebenszeit. In dieser Zeit entstanden zwei Opern: »Die Vier Grobiane«, am 19. März 1906 ebenfalls in München uraufgeführt, und »Susannens Geheimnis« im Jahr 1909. Mit diesen beiden Werken wurde sein Weltruhm besiegelt.

Seine Opern wurden auf den großen europäischen und amerikanischen Bühnen mit herausragendem Erfolg gefeiert als Wiedergeburt der Opera buffa in der Tradition von Mozarts »Cosi fan tutte« und Verdis »Falstaff«. Nur in Italien, wo Wolf-Ferraris Opern zunächst gemieden wurden, feierten »Die Vier Grobiane« erst 1914 in Mailand einen unbestrittenen Erfolg, nachdem die Oper aufgrund der feinen Kantabilität und Grazie, harmonisiert und orchestriert nach deutschen Regeln, hoch gelobt wurde.

Es folgt »Der Schmuck der Madonna« 1911 sowie »Der Liebhaber als Arzt« nach Moliere 1913. Dazwischen bereiste Wolf-Ferrari selbst die USA, um dort seine Opern in italienischer Sprache zu hören.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stürzte Ermanno Wolf-Ferrari in eine tiefe Lebens- und Schaffenskrise. Dazu kam die Trennung von seiner Frau und Differenzen mit seinem Verleger. 1915/1916 übersiedelte er in die Schweiz, wo er seine zweite Frau, Christine Funke, kennen lernte und sie 1921 heiratete. 1922 zogen beide nach München, 1929 nach Ottobrunn und 1931 nach Krailling.

In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg pendelte er zwischen Deutschland und Italien. Er schrieb Kompositionen für Orchester und Kammermusikbesetzungen sowie die Opern »Sly« im Jahr 1927 nach Shakespeare, 1931 »Die schalkhafte Witwe« und »II Campiello« im Jahr 1936, denen wiederum Texte von Goldoni zugrunde lagen. Doch auch diese Opern konnten aufgrund der kultur-feindlichen Umstände der damaligen Zeit nicht an den Erfolg früherer Opern heranreichen.

Im August 1939 wurde Ermanno Wolf-Ferrari zum Professor für Komposition am Salzburger Mozarteum ernannt. Dort lernte er die junge, hoch begabte Geigerin Guila Bustabo kennen, für die er ein Violinkonzert komponierte und mit der er eine intensive Freundschaft pflegte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zog er nach Alt-Aussee bei Salzburg, wo er seine letzte Oper »Der Kuckuck von Theben« fertig stellte, die 1943 in Hannover uraufgeführt wurde. 1946 zog Wolf-Ferrari für ein Jahr zu Freunden in die Schweiz, danach aber wieder nach Venedig, wo er am 21. Januar 1948 kurz nach seinem 72. Geburtstag überraschend starb. Hunderte von Venezianern begleiteten seinen Sarg zur Toteninsel San Michele und sangen dabei den Schlusschor aus der Oper »II Campiello.«

Anna Rohde-Seyfried

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