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Giacomo Puccini (1858-1924) »Gianni Schicchi«

Festival 2003 - Skizze zu Neutrauchburg »Gianni Schicchi«Seit Beendigung der Oper Tosca im Jahr 1910 trug sich Puccini mit dem Gedanken, drei gegensätzliche Einakter zu einem Werk zusammen zu führen. So kombinierte er musikalisches Drama, »II tabarro«, tragisches Mysterienspiel, »Suor Angelica«, und komödiantische Satire, »Gianni Schicchi«, in dem abendfüllenden Zyklus »II trittico« – das Triptychon. Die Uraufführung der drei Einakter fand am 14. Dezember 1918 in der Metropolitan Opera in New York unter der Leitung von Roberta Moranzoni statt. Dabei wurden die einzelnen Teile unterschiedlich vom Publikum aufgenommen, wie eine Schlagzeile der Zeitung The North American verlauten lässt: »Puccini in seinen drei Einaktern – hervorragend und am schlechtesten.« Das Schlussstück Gianni Schicchi gehörte allerdings ersterer Bewertung an und wurde deshalb seither auch in Kombination mit anderen Werken aufgeführt.

Gioacchino Forzano lehnte sich in der Erstellung des Libretto an eine Episode aus dem 30. Gesang der »Hölle« aus der Göttlichen Komödie (1321) von Dante Alighieri an. Schon Dante stützte sich auf die Schilderung eines Florentiner Chronisten, der die wahre Begebenheit des Kriminalfalls um den damals bekannten Testamentsfälscher Gianni Schicchi niedergeschrieben hatte. Das Streben nach Reichtum spielte im wirtschaftlich blühenden Florenz der Frührenaissance eine bedeutende Rolle – es verwundert also nicht, dass Forzano und Puccini den gesellschaftskritischen Stoff gerade im Hinblick auf das spätbürgerliche Milieu der Jahrhundertwende als Vorlage wählten. Dabei knüpft das Libretto an die Tradition der Commedia dell’arte an. Der schlaue Arlecchino beispielsweise oder auch Columbine können in den Charakteren des Gianni Schicchi oder der Lauretta wiedergefunden werden.

Im Gegensatz zu seinen früheren Opern in gefühlsgeladenem Stil erweckt Puccini in »Gianni Schicchi« die italienische Opera Buffa des 18. Jahrhunderts zum Leben. Überwiegend in Dur gehaltene Episoden mit raschen Tempi – oft als komödiantische Ensemblesätze – stehen nur wenigen lyrischen Einlagen gegenüber. Die Hauptfigur Gianni Schicchi wird von Puccini durch drei Personalmotive charakterisiert, wovon eines als Leitmotiv bereits in der Einleitungsszene erklingt und im weiteren Verlauf immer wieder schelmisch die musikalische Handlung durchkreuzt.

Lucie Fenner

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