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Über die Musik der »Zauberflöte«
Eigentlich bedarf die Musik zur »Zauberflöte« gar keiner besonderen Erläuterung. Sie »spricht« für sich selbst. Über der ganzen Partitur liegt ein volksliedhafter Zug, der freilich manchen Interpreten auch noch Kopfzerbrechen bereitete. Dafür aber schwärmte Richard Wagner: »Die Quintessenz aller edelsten Blüten der Kunst scheint zu einer einzigen Blüte vereint und verschmolzen zu sein. Welch ungezwungene und doch edle Popularität in jeder Melodie von der einfachsten bis zur gewaltigsten!«

Dennoch mögen ein paar Hinweise über die von Mozart verwendeten Stilmittel hilfreich sein, um das Verständnis zu vertiefen. Mozart sprengt mit der »Zauberflöte« die Grenzen des Wiener Singspiels. Den verschiedenen Figuren und Personengruppen ordnet er unterschiedliche Musikstile zu. Da ist zum Beispiel die Königin der Nacht. Sie vertritt den von gleißender Virtuosität geprägten Stil der »Opera seria«, der »ernsten, tragischen Oper«. Eine neue Stilebene schuf Mozart für die Rolle der Pamina. Für Sarastro hielt Mozart den Sakralstil des Barocks für angemessen. Die Ensembleszenen der drei Damen und der drei Knaben können dem Stil der »Opera semiseria« zugeordnet werden. Papageno hingegen ist deutlich im Stil der »Opera buffa«, der heiteren, der komischen Oper und des Wiener Singspiels gezeichnet.

Nicht nur das: Mozart bezieht auch opernfremde Stilmittel mit ein. So zum Beispiel das Solokonzert in Taminos Flötenarie. Oder die Choralbearbeitung beim Auftritt der zwei Geharnischten im zweiten Akt. Von besonderer zukunftsweisender musikalischer Bedeutung ist die Ouvertüre zur »Zauberflöte«. Hier gelingt Mozart die innige Verbindung von Fuge und Sonate. Er gab der Fuge die dramatische Zielstrebigkeit, entfaltete sie als freies Fugato im Sinne einer poetischen Idee, ohne dabei die Einheitlichkeit der Fugenthematik aufzugeben. Die Ouvertüre beginnt feierlich mit drei erhabenen Bläserakkorden. Es sind die gleichen Akkorde, mit denen in der Oper die Prüfungen der Liebenden anheben, die sie bestehen müssen, bevor sie in den Bund der Geweihten aufgenommen werden. Es zeugt für die Genialität Mozarts, daß er gegen die Stilbrüche und Ungereimtheiten des Librettos eigene Akzente setzte und daß er die verschiedenen Stilmittel seiner Musik zu einem überzeugenden Ganzen fügte. In dieser Gestalt wurde die »Zauberflöte« zum Vorbild der deutschen romantischen Oper.

Fritz Hartmann

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