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Festival 1996 - Manuel de Falla (1876-1946) »Meister Pedros Puppenspiel« und »La Vida Breve«Manuel de Falla (1876-1946)
La Vida Breve – Ein kurzes Leben
Lyrisches Drama in zwei Akten (vier Bildern) nach einem Gedicht von Carlos Fernandez Shaw

Entstehung
Im Jahre 1904 schrieb die Akademie der schönen Künste Spaniens einen Wettbewerb für Kurzopem aus. Sie war dazu angeregt durch den Erfolg, den ein Mailänder Verlagshaus im Jahre 1890 mit einer ähnlichen Aktion hatte: dabei war Mascagnis »Cavalleria Rusticana« entstanden.
Für Manuel de Falla, der gewohnt war langsam und gewissenhaft zu arbeiten, war es nicht leicht, innerhalb von acht Monaten bis zum Abgabetermin am 31. März 1905 mit der Komposition fertig zu werden.
In einer Zeitschrift fand er ein Gedicht von Carlos Fernandez Shaw. Manuel de Falla war begeistert von der liebevollen Schilderung der andalusischen Umwelt und der Menschen. Doch leider war der Text vollkommen undramatisch, und daran änderte sich auch nicht viel, als Shaw ihn zu einem Libretto umgestaltcte. Die Handlung war ernst und man mußte auf komische Figuren, heitere Mißverständnisse und volkstümliche Späße verzichten. Eine Tanzszene war eine Konzession, die dem Komponisten abgerungen werden mußte.
Manuel de Falla, damals 28, gewann den Wettbewerb, und »La Vida Breve« war sein erstes wirklich gültiges Werk. Später hat er es von einem Akt auf zwei Akte zu je zwei Bildern, also insgesamt vier Bildern erweitert.
Doch der Sieg half zunächst nicht weiter. Die Akademie der schönen Künste war nicht imstande, eine Aufführung des prämiierten Werkes durchzusetzen: wahrscheinlich deshalb, weil es »lyrisches Drama« hieß. Diese Kunstrichtung galt als ausländisch, als italienisch, und man konnte sie sich spanisch gesungen nicht recht vorstellen. Spanien war kein Musikland, und die wenigen Opernhäuser konnten sich nicht entfernt mit denen in Mitteleuropa messen.
In Paris schien Manuel de Falla mehr Glück zu haben. Der Komponist Paul Dukas, der mit seinem »Zauberlehrling« durchschlagenden Erfolg gehabt hatte, ließ sich von Manuel de Falla das ganze Werk am Klavier vorspielen. Darauf sagte er: »Das werden wir in der Opera Comiquc aufführen«.
Doch so einfach war die Sache nicht. Noch weitere sechs Jahre dauerte es, bis Manuel de Falla endlich die Uraufführung im Casino Municipal in Nizza durchgesetzt hatte, für den 1. April 1913. Das »Ausprobieren in der Provinz« gestaltete sich immerhin zu einem bedeutenden Erfolg. Jetzt wollten die beiden großen Musiktheater von Paris, die Grande Opera und die Opera Comique, das Stück haben, außerdem das Theatre des Champs-Elyses, das im Bau war und zur Sensation der Stadt werden sollte. Am 7. Januar 1914 erhielt die Premiere langanhaltenden Applaus in der überfüllten Opera Comique und – seltener Fall – übereinstimmend positive Presse.

Musik und Stil
Der 28-jährige sucht noch nach einem eigenen Stil, und so besteht »La Vida Breve« aus Passagen verschiedenen Stils. Der dramatische Handlungsfaden ist veristisch komponiert. Gefühle werden in ihrer vollen Heftigkeit ausgelebt. Die Handlung dauert nicht länger, als sie im wirklichen Leben dauern würde. Es geht ohne Ouvertüre sofort los und am Schluß geht es mit wenigen wuchtigen Schlägen nach Saluds Tod schnell zu Ende.
In der Arie der Salud und dem Duett mit Paco ist italienischer Operngesang zu hören, breite Mclodiebögen, wenn auch in kurzen Dimensionen. Leitmotive, schwelgerische hochromantische Harmonien und Liebestod lassen Wagner vermuten.
Melodien aus der Schmiede sind spanischen Volksliedern nachempfunden. Zarte Stimmungsmalerei in der Abendstimmung Granadas ist impressionistisch empfunden.
Der temperamentvolle Tanz kreiert echt spanischen Nationalstil und ist berühmt geworden. Tanz- und Sangesweisen (z. B. der Volkssänger auf dem Fest) lassen spanische Rhythmen fast unmerklich in arabische Melismen übergehen. Die Urform dieses »cante jondo« wurde seit 711 von den Arabern (Mauren) nach Spanien gebracht. Der Sänger verziert seine Melodie mit reichen Melismen und Glissandi, die mit europäischer Notenschrift nicht genau wiederzugeben sind. Er muß über einen sehr langen Atem verfugen.

Granada
Manuel de Falla kannte Granada noch nicht, als er »La Vida Breve« schrieb, doch konnte er sich in das Ambiente dieser zauberhaften Stadt einfühlen. In maurischer Epoche hatte Granada eine Zeit lang zum Kalifat Cordoba gehört und gelangte hernach als selbständiges (islamisches) Königtum zu höchster Blüte. Da entstanden die mächtige Alhambra, märchenhafter Palast und Festung zugleich, der Generalife, Sommerresidenz des Kalifen, umgeben von Springbrunnen, Statuen und einer Fülle duftender Blumen.
Auf einem anderen Hügel, viel weniger spektakulär, das malerische Zigeunerviertel, der Albaicín. Und dahinter, die eindrucksvolle Sierra Morena, das »dunkle Gebirge«, Heimat von Legenden, Fabeltieren und geheimnisumwitterten Ereignissen.

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