| »The Fairy Queen« | |
| von Henry Purcell | |
Für das 14. Opernjahr wählte das Festival erstmals eine Barockoper. Unter dem Gesamtmotto »Ein Allgäuer Sommernachtstraum« war die Isny-Oper auch unter den offiziellen Veranstaltungen zum 50-jährigen Landesjubiläum Baden-Württemberg vertreten. Purcells überaus reichhaltiges Werk wurde in Isny, wie schon im Vorjahr, auf der Freilichtbühne vor dem Schlösschen Neutrauchburg inszeniert, in Kempten im altbewährten Stadttheater, und in München war es noch einmal gelungen, das Cuvilliés-Theater in der Residenz als Aufführungsort zu bekommen. Hans-Christian Hauser hatte mit viel Mühe eine Fassung der Barockoper entwickelt, bei der die Vielzahl der von Purcell geschaffenen Rollen systematisiert wurde, so dass sie für 25 Bühnendarsteller, die dennoch bis zu drei Rollen übernehmen, spielbar wurde. Die gesungenen Texte wurden in Originalsprache belassen; die Shakespeare-Dialoge waren auf Deutsch zu hören. Die Besetzung war wie folgt: Blanka Mellenová (Bratislava) als Blütenbaum, Frühling, Himmelsgöttin Jin Lian (Shanghai) als Katze, Geheimnis, Rose, Sonne Wang Li (Peking) als die Nacht Tian Ying (Peking/München) als Käfer, Hirtin Dora Pavlíková (Prag) als Hermia Eva Ondrejcakova (Bratislava) als Gazelle, Hirtin Mopsa Susanne Wesselsky (Isny) als Kirschblüte, Hirtin Jonatan Smucker (San Francisco) als Pfau, der Sommer, Hirte, Handwerker Schlucker Han Bo Jeon (München) als Falke, die Verschwiegenheit, der Herbst, Hirte Coridon, Handwerker Flaut Tobias Neumann (München) als Frühlingswind, Hymen Ivan Zvarik (Banska Bystrica) als Herzog Theseus, Dichter Squenz Jaroslav Pehal (Bratislava) als Wolf, der Schlaf, der Winter, Hirte, Handwerker Schnock Schauspieler: Ira Blazejewska (Füssen) als Titania (=die Feenkönigin) Martin Harbauer (München) als Oberon Christian Herzog (München) als Puck Peter Kaufmann (München) als Egeus, Handwerker Zettel Stephanie Bachhuber (München) als Helena Peter-Paul Altmann (München) als Lysander Silviu Munteanu (Arad) als Demetrius Alexander Haidt (Isny) als Handwerker Schnauz Markus Fritz (Isny) als indischer Fürstenknabe Tänzer: Natascha La Vecchia, Petra Nérette, Daniela Tauber, Pavle Cikovac (alle München) als Libellen und Affen Matthew Berglund aus San Francisco formte mit leichter Hand Bühnendekorationen für die verschiedenen Szenen; Stephanie Bachhuber aus München fand für jede der vielen Rollen ein phantasievolles Kostüm. Hans-Christian Hauser dirigierte vom Cembalo aus das internationale Orchester. Er hatte die schwierige Aufgabe zu leisten, die vielen kurzen Szenen, Wechsel zwischen Gesprochenem und Gesungenem, ständigen Rollenwechsel der einzelnen Mitwirkenden, zum flüssigen und temperamentvollen Ganzen zu schmieden. Eine solche Aufgabe war nicht leicht bei den komplizierten Probebedingungen der Isny-Oper, die sich flexibel immer wieder an andere Proben- und Aufführungsorte anpassen muss und bis zur Generalprobe nie alle Beteiligten vollzählig auf der Bühne hat. Viele Helfer und Assistenten waren mit von der Partie. Gabriele Lotz-Seidel aus München redigierte das Programmheft, das mit Illustrationen von Matthew Berglund bereichert war. Verena Ries aus München war tüchtige Inspizientin. Angefangen von der hervorragend charmanten Darstellung des Puck, von etlichen bezaubernden Gesangsstimmen, der strahlenden Orchestermusik, den lustigen Handwerkern riefen viele Aspekte der Aufführungen bei Publikum und Presse begeisterte Stimmen hervor. Schade war, dass Purcell und Shakespeare nicht so viel Neugierde bei der Bevölkerung weckten, dass die Tribünen und Säle ganz voll geworden wären. Im Programmheft standen Grußworte gleich von zwei Ministern: dem baden-württembergischen Dr. Peter Frankenberg und dem bayerischen Hans Zehetmair. Erstmals erhielt die Isny-Oper auch einen Zuschuss vom Bayerischen Ministerium für Kunst. Einen Extrazuschuss zum Landesjubiläum gab es zudem vom Staatsministerium Baden-Württemberg. Neben der Oper gab es ein Orchesterkonzert in der Nikolaikirche Isny sowie im Max-Joseph-Saal der Residenz München. Passend zum Gesamtthema wurden Sätze aus Mendelssohns »Sommernachtstraum« gespielt. Russell Kotcher (San Francisco) spielte das Solo in Vivaldis »Der Sommer«. Ansonsten gab es einen großen jüdischen Akzent: der jüdische Musiker Peter Dostál-Berg hatte ein Instrument aus jüdischer Tradition rekonstruiert, die »Tromba Soprana«; er spielte eine Suite des jüdischen Engländers Maurice Greene sowie gemeinsam mit der Sopranistin Blanka Mellenová (Bratislava) die Händel-Arie »Let the bright seraphim«. Dazu stellte er mit einer Psalmmelodie das Schofar als Melodieinstrument vor. Das Programm wurde vervollständigt durch Tänze des jüdischen Venezianers Salamone Rossi und durch fünf Mendelssohn-Arien, gesungen von fünf verschiedenen Sängern des Festivalensembles. Die Konzerte, zu denen die liberale jüdische Gemeinde München ein Grußwort schrieb, fanden schönen Anklang beim Publikum. Wie immer gab es auch ein Kammerkonzert in familiärem Rahmen mit buntem Programm im Franziskushof Maierhöfen. | |