| »Figaros Hochzeit« | |
| von Wolfgang Amadeus Mozart | |
Für das dreizehnte Festival-Jahr suchte man sich eine neue architektonische Kulisse: die Mozartoper »Die Hochzeit des Figaro« (in deutscher Sprache) wurde auf der Terrasse des barocken Schlösschens Isny-Neutrauchburg gespielt. Am Fuße der Freitreppe saß das Orchester; für das Publikum wurde eine Metalltribüne zwischen die uralten Parkbäume gestellt.Hans-Christian Hauser hatte von seinem Engagement zu Jahresbeginn in San Francisco (»Ariadne auf Naxos«) den Bühnenbildner Matthew Berglund mitgebracht. Dieser schuf für die vier Akte vier Bühnenbilder, die sich in ihrer Leichtigkeit, ihrem Anklang an barocke Formen und in ihren Pastellfarben hervorragend an den Hintergrund des Schlösschens anpassten. Stephanie Bachhuber stellte in ebensolchen Pastellfarben ein stimmiges Kostümbild zusammen, so dass der Gesamteindruck etwas an Renoirs oder Monets Gemälde von Gesellschaften im Garten von Landhäusern erinnerte. Die Sängerbesetzung war international wie immer: Bernd Gebhardt (versch. nord- und ostdeutsche Theater) als Figaro Jin Lian (Shanghai) als Susanna Tobias Neumann (Musikhochschule München) als Graf Wang Li (Peking) als Gräfin Kremena Dilcheva (Musikhochschule München) als Cherubino Blanka Mellenová (versch. slowakische u. tschechische Theater) als Marcellina Ivan Zvarik (Staatstheater Banska Bystrica) als Bartolo und Antonio Joe Hennes (San Francisco Lyric Opera) als Basilio und Don Curzio Marina Spielmann (Musikhochschule München) als Barbarina Gaby Grosser-Koß und Stephanie Bachhuber als Blumenmädchen Das Orchester war diesmal bereichert um vier Studenten des San Francisco Conservatory, so dass insgesamt sechs Amerikaner das Kolorit aus Chinesinnen, Slowaken, Tschechen, Rumänen, Bulgaren und Deutschen bereicherten. Marjan Jagust, Tanzlehrer der Hochschule für Musik München, hatte die berühmte Tanzszene einstudiert. Isnyer Schüler bildeten ein Assistententeam. »Figaro« wurde auch im Stadttheater Kempten gegeben. Und erstmals wagte sich die Isny-Oper nach München: Hans-Christian Hauser war es gelungen, das edle Cuvilliés-Theater für eine Aufführung zur Verfügung zu bekommen. Dieses Theater war natürlich ein traumhafter Rahmen für diese Produktion, die viel Feinheit an schönen Stimmen, Schauspiel und optischen Reizen in sich trug. Das Publikum in Isny, Kempten und München spendete viel Applaus, das Südwest-Fernsehen war wieder einmal gekommen, in den Zeitungen gab es sowohl Lob als auch Kritik. Besonders machte der Kritikerin der Schwäbischen Zeitung die früh einsetzende empfindliche Abendkühle im Allgäu zu schaffen. Tatsächlich wurde es rund um das Schlösschen ab 22 Uhr, dann, wenn die Theaterbeleuchtung ihre schönsten Wirkungen zu zeigen beginnt, nicht nur kühl, sondern auch feucht - ein starkes Argument gegen Abend-Freilichtaufführungen im Allgäu. Zweitprogramm des Festivals, das sowieso sich in der Internationalität beheimatet fühlt, war ein großes Orchesterkonzert mit jüdischer Musik. Im Zentrum von »Songs of a People« stand Roslyn Barak, frühere Opernsängerin und jetzt Kantorin an der liberaljüdischen Synagoge Emanu-El San Francisco. Mit ihr hatte Hans-Christian Hauser schon in 1999 in Isny konzertiert. Nun also arrangierte er jüdische Lieder und Ladino-Lieder für Orchester, dazu erklangen eine Synagogen-Suite von David Schiff, das Lied »Goldenes Jerusalem« und amerikanische Musical-Songs. Russell Kotcher, Student des San Francisco Conservatory, spielte die drei Violinsoli aus der Filmmusik »Schindlers Liste«, Bledar Zajmi Max Bruchs »Kol Nidrei« für Violoncello Solo, und das Orchester gab »Trois poèmes juifs« von Ernest Bloch. Roslyn Barak zog das Publikum in Bann, und mit ihr die anderen Solisten, das Orchester und Hans-Christian Hauser als Dirigent dieses großen, langen und in seiner Art wohl einmaligen Konzerts. Die Nikolaikirche in Isny hatte mit ca. 600 Besuchern ein außerordentlich großes Publikum aus dem gesamten Umkreis; das Konzert in St. Bonifaz in München hingegen war leider recht schlecht besucht. Das Opernfestival hatte diesmal den Jüdischen Nationalfonds München zum Verbündeten, der seinen Freundeskreis einlud; doch diese Besucher machten sich in München mehr bei der Oper »Figaro« bemerkbar als beim jüdischen Konzert. Im Programmheft standen Grußworte der liberalen jüdischen Gemeinde München, der evangelischen Kirchengemeinde Isny und vom Abt der Klosterkirche St. Bonifaz München. Sponsoren waren - nur in diesem Jahr - auch die Kulturstiftung der Deutschen Bank und die Stiftung Württembergische Hypothekenbank. | |