| »Hoffmanns Erzählungen« | |
| von Jacques Offenbach | |
Es war das 12. Jahr des Isnyer Opernfestivals. Man nahm sich ein großes Werk vor: Jacques Offenbachs vielschichtige Oper über Phantasie und Täuschungen eines Künstlers. Zum dritten Mal (nach 1995 und 1997) wurde eine »Seebühne« von Zimmermann Walter Bücheler für den Weiher am Kurhaus vor der Isnyer Stadtmauer gebaut. Hans-Christian Hauser hatte ein ausführliches Konzept für die Inszenierung angelegt, anhand dessen Stephanie Bachhuber aus München wiederum ein phantasievolles Kostümbild arrangierte und Rainer Fritz mit Unterstützung eines Schreiners und verschiedener Schüler das Bühnenbild fertigte. Die Rahmenhandlung wurde in die Jetzt-Zeit gelegt, die Studenten waren als moderne Halbwüchsige dargestellt. Die Gesellschaft bei Professor Spalanzani bestand aus lauter quirligen Versuchstieren. Der Antonia-Akt war ganz in Blau und Weiß, im Zentrum ein blaues Cembalo, Türrahmen leuchteten in seltsamem Licht. Für Venedig baute man Arkaden, Balustraden und eine Gondel, die auf dem kleinen See daher glitt; die Damen waren in leuchtendem Rot. Die Rolle des Hoffmann wäre für einen Studenten eine Überforderung gewesen; so sang der rumänische Tenor Daniel Mucedu, der an verschiedenen ostdeutschen Theatern engagiert gewesen war, die schwierige Rolle und meisterte sie souverän. Blanka Mellenová (Slowakei) sang ebenso souverän die Koloraturen der Olympia und Marshall Raynor war ein beflissener Spalanzani. Besonderheit der Besetzung war diesmal, dass sechs chinesische Sänger als Zeichen offizieller Zusammenarbeit mit dem Shanghai Conservatory und dem Zhou Xiao Yan Opernzentrum zur Teilnahme am Festival eingeladen waren. Einer dieser chinesischen Studenten sprang allerdings gegen alle Vereinbarungen kurz nach seiner Ankunft ab; und so musste der Student Thomas Lackinger in kürzester Zeit die enorme Rolle der »vier Bösewichte« einstudieren. Außer ihm waren von den Studenten der Hochschule für Musik München noch beteiligt: Jasmin Bajrovic als Muse/Niklas Gustavo Martin Sanchez als Cochenille, Franz, Pitichinaccio und Student, der Klein Zack mimt Helmar Stoyan als Schlemihl Drei Chinesen hatten größere Rollen: Wang Li sang die Antonia, Jin Lian die Giulietta und Zhang Ji Hong den Rat Crespel. Eva Ondrejcaková aus Bratislava sang die Stimme von Antonias Mutter. Alle waren vom Typ her ideal besetzt, viele boten auch stimmlich Hervorragendes. Das Ensemble für Chor und kleine Rollen wurde vervollständigt durch Huang Xuan (Shanghai), Alpinia Albesteanu (Cluj), Liu Yue (Shanghai), Christina Drexel (München), Adrian Sandu (München) und Wang Li Zhi (Shanghai). Zwei Tänzerinnen, Juli Markou und Virginia de Gavilanes (Einstein-Show-Akademie München) machten als Schmetterlinge Hoffmanns Inspiration sichtbar. Das 27-köpfige Orchester war international wie immer, und eine große Menge von erwachsenen und jugendlichen Helfern wirkte hinter den Kulissen mit. Eine Operngala bildete wie schon im Vorjahr das Beiprogramm zur Hauptinszenierung. Das Programm, in dem die meisten Sänger des Ensembles ihre Stimmen zeigen konnten, führte einen großen Reichtum an Musik unterschiedlichster internationaler Herkunft vor. Für zwei russische Arien gesellte sich Olga Hanauer (Musikhochschule München) zum Ensemble; ansonsten gab es deutsche, italienische, spanische, französische, tschechische, russische, uigurische und chinesische Arien, letztere von Hans-Christian Hauser arrangiert. Die Harfenistin Sarah Cocco (Musikhochschule München) spielte Solo in Gounods "Faust"-Ballettsuite, und als Ouvertüre brachte man, in Anklang an die Titelrolle der Oper, E.T.A. Hoffmanns Ouvertüre zu »Undine«. | |