| »Feuervogel und Die Nachtigall« | |
| von Igor Strawinsky | |
Im siebten Jahr des Isny-Opernfestivals kam die Idee einer Freilichtkulisse auf: auf den Stadtgrabenweiher vor der Stadtmauer und romantischen riesigen Trauerweiden setzte der Zimmermann Walter Bücheler eine 10 x 10 m große schwimmende Holzinsel. Der Isnyer Kunsterzieher Rainer Fritz schuf einen prägnanten Pavillon, mit leuchtend rotem Tüll drapiert. Die Kostümbildnerin Schamsi Kutschekmanesch entwickelte ein fein durchgestaltetes, zwischen orientalischen und modern- europäischen Formen die Balance haltendes Kostümbild. Der Tänzer Eckhard Paesler vom Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz choreografierte den Tanz; ein riesiger Drache mit etlichen Gymnasiasten im Bauch bedrohte Iwan Zarewitsch, Asylbewerber verschiedener Hautfarbe waren auf der Bühne verzauberte Prinzen, die Nachtigall trällerte Koloraturen von der Trauerweide hinab über die Dächer von Isny, der Kaiser von China kam im Stocherkahn angefahren, 23 Grundschulkinder begrüßten ihn mit ihren Sopranstimmen als kleine Chinesen, Tod und Krankheit näherten sich dem Kaiser ganz in Weiß, sich dabei, wie alles andere auch , in faszinierender Wasserspiegelung verdoppelnd - und der Lichttechniker Helmut Tschugg tauchte alles in zauberhafte Beleuchtung. Das Orchester bestand für Strawinskys Klänge, die in impressionistischer Weise übers Wasser flirrten, aus immerhin 36 Musikern. Es saß auf einer Plattform seitlich zur Bühne, also auf der dem Publikum gegenüberliegenden Uferseite. Die schwierigen Partituren wurden gut bewältigt. Die Solisten im »Feuervogel« waren: Eckhard Paesler als Prinz Iwan Zarewitsch Maureen Denman als Feuervogel umgeben von sieben Tänzerinnen des Münchner »Tanzstudio im Tal« und jungen Isnyern. In der »Nachtigall« sangen: Christine Müller als Nachtigall Marshall Raynor als Kaiser von China Agata Mrozek als Krankheit Swetlana Afonina als Tod David de Ruyter als Fischer Janá Havranová als Küchenmädchen Oleg Korotkov als Bonze Taras Konochtchenko als Kammerherr Jan Ondrácek, Petr Horák, Martin Matousek als Hofleute ... dazu junge Damen aus Isny und 23 Kinder unter Anleitung von Lehrerin Sigrid Ströbele. Hans-Christian Hauser führte die gewaltige Menge an Personen und Aufgaben zu einem allseits bewunderten Ganzen zusammen. Auch der »Kritikpapst« der Schwäbischen Zeitung spendete großes Lob. Natürlich konnte es nicht ausbleiben, dass Strawinskys Musik bei einem Teil der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe stieß. Aber die Atmosphäre, zudem die warmen Sommerabende, lockten auf Jahre hinaus die größte Publikumsmenge zur Isny-Oper. Nur am Premierenabend vertrieben Tropfen nach der Pause Oper und Publikum in den engen Kurhaussaal. Die Produktion wurde mit schönem Erfolg (aber nicht vollen Häusern) auch in den Theatern Kempten und Lindau gezeigt. Ein Orchesterkonzert mit exquisiten Werken im Kurhaus Isny und im Fürstensaal Kempten bereicherte zudem das Festivalprogramm; darin u.a. Ravel »Scheherazade« (Swetlana Afonina), Strauß »Vier letzte Lieder« (Janá Havranová), Kurpinski Klarinettenkonzert (Wojtek Mrozek), Smetana »Die Moldau«. Leider aber stellte sich nach Ende des Festivals ein gigantisches Defizit heraus. Trotz vielseitiger Förderung, in diesem Jahr auch einer besonders große Zahl von Gastfamilien, war der Aufwand an Tribüne, Beleuchtung, Bühne, GEMA-Gebühren, Gagen, Kostümen, einfach zu groß gewesen. Von Neuem war das Festival im Bestand bedroht. | |